Über getreidefreie Ernährung fürs Pferd
Getreidefreie Ernährung ist nicht nur bei Menschen ein Thema. Auch für Pferde wird diese momentan heiß diskutiert.
Ist Getreide schlecht? Das ist die Frage, der man sich unweigerlich stellen muss, wenn man sich mit dem Thema Ernährung für Pferde auseinandersetzt. Schauen wir uns das Thema ganz ohne Emotion an.
Fakt ist, dass Stoffwechselerkrankungen und Unverträglichkeiten wie z. B. EMS, Hufrehe, Magengeschwüre etc. bei Pferden auf dem Vormarsch sind.
Fakt ist auch, dass viele Symptome dieser so genannten Wohlstandskrankheiten wieder verschwinden, wenn Pferde getreidefrei ernährt werden.
Ist Getreide also der Teufel?
Diese bewusst überspitzt formulierte Frage lässt sich natürlich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Wie so oft ist es nicht so einfach.
Die Ausgangssituation ist heute eine andere. Wildpferde waren früher ständig unterwegs und ernährten sich abwechslungsreich von Steppengräsern, Wurzeln, Rinden etc. Bei gehaltenen Pferden ist das anders. Sie haben oft stark eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten und eine geringe Futterauswahl.
Der Verdauungstrakt der Pferde
Apropos Futter: Pferde haben einen kleinen Magen und einen großen Dickdarm. Der gesamte Verdauungstrakt ist damit auf die Verwertung von Rohfasern ausgelegt, in vielen kleinen Mahlzeiten. Das Hauptnahrungsmittel jedes Pferdes sollte also Gras sein.
Pferde verdauen stärkehaltiges Futter nur schwer, weil sie wenige stärkeverarbeitende Enzyme im Darm haben. Karftfutter liefert also Energie, es ist aber auch eine gewisse Herausforderung für den Pferdeorganismus. Das ist vor allem bei Pferden mit Stoffwechselproblemen zu beachten.
Energiestau
Heutige hochgezüchtete Gräser haben einen sehr hohen Nährstoffgehalt und liefern ordentlich Energie. Dann wird noch zusätzlich mit Getreide gefüttert, was noch mehr Energie bringt. Die Folge ist natürlich oft Übergewicht. Wenn ein Mensch sich vor dem Fernseher parkt und nur noch nährstoffreiche Nahrung isst, ohne sich zu bewegen, wird er auch dick und krank.
Pferde haben heute einfach das Problem, dass sie zu viel Kraftfutter und gleichzeitig zu wenig Raufutter bekommen und zu wenig Bewegung haben.
Schlussfolgerungen
Nicht falsch verstehen: Eine Portion Getreide ist neben ausreichend Raufutter in den meisten Fällen eine gesunde Ration für ein Pferd. Trotzdem kommt es auf die Menge und die Umstände an. Als die Äcker noch mit dem Pflug bestellt wurden, brauchten Pferde sehr viel Energie. Anders wären sie dieser Aufgabe gar nicht gewachsen gewesen. Heute haben Freizeitpferde keine vergleichbaren Aufgaben, weshalb sie nur selten Kraftfutter benötigen. Am wichtigsten ist Heu von bester Qualität.
Die Grundregel lautet also: so viel Kraftfutter wie notwendig und so viel Raufutter wie möglich.
Heute gibt es stärke- und zuckerreduzierte Futtermittel. Diese entlasten den Magen-Darm-Trakt, liefern weniger Energie und sind damit für heutige Haltungsbedingungen besser geeignet. So verringern sie auch das Risiko für Stoffwechselerkrankungen.
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